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In unserem Gesundheitssystem sind Infektionsprävention und -kontrolle wesentliche Verfahren zur Gewährleistung der Sicherheit von Patienten, Begleitpersonen, Angehörigen und Mitarbeitern.
Nach einer Studie veröffentlicht im Jahr 2014 in dem „New England Journal of Medicine“ betreffen Infektionen im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung 4 bis 10% der Patienten und führen zu erheblichen Schäden aller Gruppen. 1)Magill SS, Edwards JR, Bamberg W, Beldavs ZG, Dumyati G, Kainer MA, et al. Multistate pointprevalence survey of health care-associated infections. N Engl J Med. 2014;370(13):1198-208. Link
Auch in der ambulanten Pflege und ambulanten ärztlichen Versorgung spielt die Sicherheit des Menschen eine übergeordnete Rolle, wobei oft die Sicherheitsstandards entweder nicht so hoch sind wie in der stationären Versorgung alias Kliniken, Polykliniken und Krankenhäusern oder nicht für nötig befunden wird, diese einzuhalten.
Die Gesundheitsversorgung 

muss individuelle Bedürfnisse und vom individuellen Bedürfnis unabhängige Bedarfe abdecken

Ellis Huber, deutscher Arzt und Gesundheitspolitiker

dazu gehören auch das Recht auf eine sichere und spezifische Behandlung.

Infektionsprävention im Gesundheitswesen

Der Hauptbestandteil der Infektionsprävention ist natürlich die routinemäßige, wirksame Reinigung und Desinfektion von Oberflächen, Gegenständen und Geräten.
Diese sind häufig mit Mikroorganismen, klinisch wichtigen Bakterien, Viren und Pilzen kontaminiert. Einige Organismen wie z.B. resistente Enterokokken und C. difficile können Monate auf Oberflächen und Gegenständen verbleiben. 2)Kramer A, Schwebke I, Kampf G. How long do nosocomial pathogens persist on inanimate surfaces? A systematic review. BMC Infect Dis. 2006;6:130. Link
Mehrere Studien zeigten, dass Ausbrüche von antibiotikaresistenten Organismen der Einführung intensiverer Reinigungs- und Desinfektionseinheiten und -mitteln folgten. 3)de Lassence A, Hidri N, Timsit JF, Joly-Guillou ML, Thiery G, Boyer A, et al. Control and outcome of a large outbreak of colonization and infection with glycopeptide-intermediate Staphylococcus aureus in an intensive care unit. Clin Infect Dis. 2006;42(2):170-8. Link 4)Rampling A, Wiseman S, Davis L, Hyett AP, Walbridge AN, Payne GC, et al. Evidence that hospital hygiene is important in the control of methicillin-resistant Staphylococcus aureus. J Hosp Infect. 2001;49(2):109-16. 70. 5)Tankovic J, Legrand P, De Gatines G, Chemineau V, Brun-Buisson C, Duval J. Characterization of a hospital outbreak of imipenem-resistant Acinetobacter baumannii by phenotypic and genotypic typing methods. J Clin Microbiol. 1994;32(11):2677-81. Link

Dadurch wird deutlich, dass eine ausgeglichene Ansicht über Hygienemaßnahmen und die richtige Wahl letzterer von ausgesprochener Wichtigkeit sind.
Die Verbesserung der Luftzirkulation und -reinigung steht auch in der ambulanten Pflege und ambulanten ärztlichen Versorgung im Vordergrund.
Jede Praxis, jeder OP-Saal, jeder Untersuchungs-, Aufwach- und Analyseraum muss per Gesetz der DIN 1946-4 und -6 entsprechen. Auch nach der Revidierung von 2018 bleiben diese DIN-Normen teilweise in sich widersprüchlich bzw. sehen die Benutzung von Fenstern und Türen aufgrund von DIN-Vorkehrungen des Datenschutzes nicht vor.   

Ärzte sollten sich der Luftströmungsmuster bewusst sein, um die Übertragung von Krankheitserregern in der Luft zu begrenzen.

Ambulante ärztliche Versorgung

Wie es in der November Ausgabe /17 von Pedriatics heißt, ähneln

„Wartezimmer Einrichtungen der Kinderbetreuung, in denen die Kontamination der Umwelt und die Übertragung von Infektionserregern im Vergleich zur häuslichen Umgebung häufiger auftreten. Es sollten Anstrengungen unternommen werden, um die Übertragung von Infektionserregern zu begrenzen, indem Wartebereiche speziell gestaltet, Überfüllung vermieden, Wartezeiten verkürzt und das Teilen von Spielzeug minimiert werden.“ 6)Pediatrics November 2017, 140 (5) e20172857; DOI: Link

Die Warteräume sind meistens klein, sodass der Abstand zwischen Menschen weniger als einen Meter beträgt.
Sekrete der Atemwege können auf zwei Arten übertragen werden: über die Luft bei einer Entfernung von 1 bis 2 m in Form von kleinteiligen Aerosolen mit einem Durchmesser von ≤ 5 µm (Viren z.B. Rubeola (Masernvirus), Varizellenvirus und Bakterien z.B. Mycobacterium tuberculosis) oder über eine kürzere Entfernung über Tröpfchen mit einer Größe von > 5 µm (einige Viren z. B. Influenzavirus, Adenovirus und Bakterien z.B. Bordetella pertussis).
Leider ist die Anzahl der Luftaustausche in Gebäuden, in denen ambulante medizinische Einrichtungen untergebracht sind, oft gering, und die Luft wird häufig umgewälzt.
Besonders wichtig wird die Lufthygiene und der Abstand wenn Patienten mit Mukoviszidose anwesend sein oder behandelt werden könnten, da sie auf besondere Regelungen zum Eigen- und Fremdschutz angewiesen sind. 
Bekannt sind die gängigen Empfehlungen der Landesbehörden, Kammern und Vereinigungen. Darunter findet sich:

  • Aufstellen von speziellen Schildern am Eingang der ambulanten Praxis
  • Triage schon außerhalb der Praxis
  • Verlegung von auffälligen bzw. symptomatischen Patienten in abgeschlossene Untersuchungsräume
  • Tragen von persönlicher Schutzausrüstung
  • Einhalten der korrekten Husten-Etikette.
  • Wahl des richtigen Desinfektionsmittels
  • angemessenen Umgang mit kontaminierten Handschuhen und Waschlappen
  • moderne Lüftungsanlage gemäß DIN-Norm

In einem Schreiben des „Centers of Disease Controling and Prevention“ bezüglich Interim Infektionen von CoVid-19 in Gesundheitseinrichtungen wurde erläutert:  

Verbesserung der technischen Steuerungen.
Beispiele für technische Steuerungen sind:     

  • Vorhänge zwischen Patienten in gemeinsamen Bereichen
  • Lüftungssysteme (mit angemessener Richtung, Filtration, Wechselkurs usw.), die installiert und ordnungsgemäß gewartet werden.7)Link 13.04.2020

Gerade der letzte Punkt kann sehr leicht und relativ kostengünstig implementiert werden.

Zusätzliche Desinfizierungsmaßnahmen

Neben normierten Lüftungssystemen wie EPA, HEPA und ULPA existieren zahlreiche mehr oder weniger gleichwertige Alternativen. Da die Technologie zur Reinigung der Umwelt sich konstant weiterentwickelt, gewinnen Alternativen oder zusätzliche Maßnahmen zu den weiter oben erörterten, immer mehr an Bedeutung.

Primär sollen die Bedürfnisse und die Herausforderungen von Praxen, Altersheimen, ambulanten Pflegeeinrichtungen und Kliniken kurz herausgestellt werden.
Im Gesundheitswesen sind Umweltoberflächen häufig mit klinisch relevanten Krankheitserregern kontaminiert und diese bleiben trotz routinemäßiger Reinigung und Desinfektion häufig bestehen. Aufgrund von kontinuierlichen Desinfizierungsmaßnahmen und immer stärkeren Reinigungsmitteln, zusätzlich von der Antibiotika-Kultur unserer Gesellschaft, werden Resistenzen bei Mikroorganismen gefördert.

Die Entwicklung von alternativen erfolgreichen und umweltfreundlichen Reinigungswegen würde für alle von Vorteil sein.

Auch durch kontaminierte Waschlappen und Handschuhen können Pathogene verbreitet werden. Selbst wenn das Personal richtig geschult wurde, dürfen menschliche Fehler, Unerfahrenheit und Missverständnisse nicht unterschätzt werden.

Eine gute Möglichkeit, diesen Schwierigkeiten entgegenzuwirken sind berührungslose Desinfektionssysteme: Systeme, die chemische oder physikalische Mittel zur Desinfektion von Oberflächen verwenden, ohne dass der Wirkstoff direkt manuell auf die Oberfläche aufgetragen und von dieser entfernt werden muss.

Die meisten berührungslosen Desinfektionssysteme umfassen die Verwendung von Wasserstoffperoxidnebel oder die Verwendung von ultraviolettem Licht. Eine Vielzahl anderer Notouch-Technologien wurde ebenfalls beschrieben z.B. hochintensives Schmalspektrumlicht8)Link 16.04.20, quaternäres Ammoniumnebeln, Ozongas und Superoxidwasser. Keine dieser Technologien kann allein verwendet werden, sondern immer in Verbindung mit der routinemäßigen Reinigung und Desinfektion, und den Luftreinigungssystemen.

Tragbare Lüftungssysteme

In den letzten Jahren sind einige interessante Erfindungen aus dem asiatischen Raum auch für den westlichen Markt verfügbar geworden. Darunter ein Gerät zur Desinfizierung von Raumluft mit einem Anwendungsspektrum, das von der Autoindustrie bis zu Räumen des Gesundheitswesens im Hinblick auf keimarme Luft reicht.

Dieser Luftdesinfizierer benutzt keinen Filter, sondern zerstört Mikroorganismen und organische Partikel und wandelt sie in Kohlenstoffdioxid um.

Es entstehen also keine entsorgungspflichtigen Nebenprodukte, die lange Zeit im Gerät bleiben würden und es müssen keine Filterkartuschen gekauft werden. Die Ausgangstoffe sind Umweltschonend und gehören nicht zu den Konfliktrohstoffen.
Die Funktionsweise vom Gerät kann auf der Website des Herstellers nachgelesen werden.9)Link

Die Funktionsweise beruht auf der Zusammenwirkung mehrerer Technologien, die für unterschiedliche Partikelgrößen geeignet sind. Die aktiven Bestandteile sind nur zwei, wodurch ein geringeres Gewicht gewährleistet wird: UV-Licht mit zwei Wellenlängen und ein patentiertes Katalysatorgitter aus Nano-Titandioxid (TiO2).
Durch die Wechselwirkung des UV-Lichtes mit dem Katalysatorgitter wird der sogenannte Quattro-Plasma erzeugt. Dieses Plasma besteht aus ionisiertem Sauerstoff (O-), kurzlebigem, triatomischem Sauerstoff (Ozon O3) sowie Hydroxylradikalen (OH*).

Aufgrund vom Gewicht der Plasmamoleküle legt sich dieses auf Oberflächen und eliminiert Bakterien, Viren, Pilz- und Schimmelsporen und VOC.

Das Quattro-Plasma-Gemisch als Output ist deutlich effizienter und wirksamer als übliches UV-Licht- oder Ozon-Geräte allein und dabei unschädlich für den Menschen, da alle empfohlenen Richtwerte deutlich unterschritten werden. 

Durch Laborstudien wurde gezeigt, dass auch sehr resistente Keime und Spore wie C. difficile sehr gut beseitigt werden konnten.

Zusammenfassung

Ärzte, Pflegekräfte, MTA’s und Mitarbeiter im Gesundheitswesen werden täglich mit emotionalen und technischen Herausforderungen konfrontiert. Sowohl in der stationären als auch in der ambulanten medizinischen Versorgung muss aktiv daran gearbeitet werden um die Hygienestandards hoch zu halten, die Arbeit der Angestellten soweit wie möglich zu vereinfachen und zu verkürzen. Außerdem müssen nachhaltige Entscheidungen getroffen werden, damit die Zukunft nicht aufgrund momentaner Entscheidungen mit resistenten Spezies und unwirksamen oder gesundheitsschädigenden Chemikalien kämpfen muss.

Medizinische Praxen sind, unabhängig vom Fachgebiet, die erste Anlaufstelle für Menschen mit Unsicherheiten, Fragen und leichten bis mittelschweren Symptomen. Gleichzeitig können sie auch Nester für verschiedene Krankheitserreger sein, da so viele Menschen jeden Tag auf engem Raum durchaus mehrere Stunden verbringen.

Nicht nur der Patient hat das Recht geschützt zu werden, sondern vor allem auch das Personal, das ein Großteil seines Lebens in der Praxis verbringt.

Immer wiederkehrende schlechte Gerüche und sauerstoffarme Luft führen bewiesenermaßen zu Berufskrankheiten und psychologischen Nachteilen.

In diesem Artikel wurde die allgemeine Problematik von Hygiene und Sicherheit in Praxen und Kliniken erörtert und einige lösungsorientierte Ansätze angeboten.
Sollte noch Klärungs- oder Beratungsbedarf vorhanden sein, wurde gerade für diese pandemische Zeit ein neuer Bereich im Kundencenter eingerichtet.

beratung@airsteril.shop

Quellenverzeichnis:    [ + ]

1.Magill SS, Edwards JR, Bamberg W, Beldavs ZG, Dumyati G, Kainer MA, et al. Multistate pointprevalence survey of health care-associated infections. N Engl J Med. 2014;370(13):1198-208. Link
2.Kramer A, Schwebke I, Kampf G. How long do nosocomial pathogens persist on inanimate surfaces? A systematic review. BMC Infect Dis. 2006;6:130. Link
3.de Lassence A, Hidri N, Timsit JF, Joly-Guillou ML, Thiery G, Boyer A, et al. Control and outcome of a large outbreak of colonization and infection with glycopeptide-intermediate Staphylococcus aureus in an intensive care unit. Clin Infect Dis. 2006;42(2):170-8. Link
4.Rampling A, Wiseman S, Davis L, Hyett AP, Walbridge AN, Payne GC, et al. Evidence that hospital hygiene is important in the control of methicillin-resistant Staphylococcus aureus. J Hosp Infect. 2001;49(2):109-16. 70.
5.Tankovic J, Legrand P, De Gatines G, Chemineau V, Brun-Buisson C, Duval J. Characterization of a hospital outbreak of imipenem-resistant Acinetobacter baumannii by phenotypic and genotypic typing methods. J Clin Microbiol. 1994;32(11):2677-81. Link
6.Pediatrics November 2017, 140 (5) e20172857; DOI: Link
7.Link 13.04.2020
8.Link 16.04.20
9.Link